<Standschuetzen, freiwillige Schuetzen

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Standschützen und
Freiwillige Schützen:


Als Italien den Krieg erklärte, standen Zwei Drittel der italienischen Armee an der österreichischen Grenze. Vom Ortler über das Etschtal, die Sieben Gemeinden, die Dolomitenpässe bis hin zu den Pässen und Tallinien der Karnischen und Julischen Alpen schienen die Italiener auf kaum besetzte Grenzen zu stoßen. Der Durchmarsch bis Wien und das Diktat eines mitteleuropäischen Friedens durch das siegreiche Italien schienen in greifbare Nähe gerückt. Wer weiß, welche auch aus heutiger Sicht schmerzhaften Gebietsopfer über die Abtrennung Südtirols hinaus ein solcher italienischer Durchbruch für Österreich gebracht hätte.

Die Luftlinie der österreichischen Grenze vom Stilfser Joch bis zu den Julischen Alpen betrug 600 km. An dieser Grenze standen im Mai 1915 in Tirol nur einige Landsturm- und Marschbataillone sowie die Festungsbesatzungen zur Verfügung. Allein an der 100 Kilometer langen Dolomitenfront marschierten aber 160.000 Mann Italiener auf, die unter Generalleutnant Nava die 4. Arme bildeten.

Insgesamt standen in Tirol 21 improvisierte, kaum ausgebildete Heeres- und Landsturmbataillonen die gesamte 1. Und 4. Italienische Armee mit etwa 180 Bataillonen gegenüber.

In Kärnten standen die Dinge nicht viel besser. Der offenen und entblößten Grenze gegenüber marschierten die 2. und 3. Italienische Armee sowie das 12. Korps, noch verstärkt durch 16 Alpinibaone, zum Angriff auf. Demgegenüber hatte General Goiginger nur 12 Bataillone zur Verfügung. Die Einnahme Trients und Bozens, der Durchstoß in das Pustertal, der Einbruch über den Plöcken und Naßfeld nach Kärnten und der Vormarsch bis Wien hätten nach menschlichen Ermessen ohne Schwierigkeiten gelingen müssen, wenn nicht zwei Dinge geschehen wären:

Der italienische Oberbefehlshaber Graf Cardorna überschätzte Zustand und Stärke der österreichischen Festungen maßlos. Statt an bestimmten Punkten seine Kräfte zu massieren und diese in energischen Stoß in das österreichische Hinterland zu führen, zögerte Cadorna in unbegreiflicher Weise mit dem Ansätzen punktueller Großangriffe und begnügte sich zunächst damit, alle seine Kräfte in die Ausgangsstellungen entlang der österreichischen Linien heranzuführen und durch nachrückenden Ersatz und durch Artillerie zu verstärken. Dann begann Cadorna, die von ihm so gefürchteten österreichischen Festungen tagelang sturmreif zu schießen.


(Standschütze Senn vom Bataillon Meran I)

Das zweite Ereignis, das gerade wegen der Zaghaftigkeit des italienischen militärischen Führers einen raschen italienischen Erfolg verhinderte, war das Auftreten freiwilliger Formationen, die dann Cadorna das Tor schlossen, durch welches er bis nach Wien zu gelangen gedachte. Buchstäblich wie aus dem Nichts tauchten in Tirol 40.000 zusätzliche Landesverteidiger auf. Innerhalb von nur drei Tagen stellten Tirol und Vorarlberg ein gesamtes zusätzliches Armeekorps an die Grenze, bestehend aus blutjungen oder alten Männern, deren Alter außerhalb der Wehrpflicht lag.

Inzwischen hatten sich die Standschützen formiert und setzten sich in ihre Einsatzräume in Marsch. Gliederung wie folgt:

I. Rayon Ortler: Bataillon Schlanders und die Kompanie Prad, Stilfs, Taufers.

II. Rayon Tonale: Bataillon Bludenz, Cles, Innsbruck, Male und Ulten.

III. Rayon Südtirol: Abschnitt A Judikarien, Bataillon Klausen, Kompanie Kaltem I und Welschtiroler Schützen. Abschnitt B Riva, Bataillone Bozen, Lana, Sarntal, Welschtiroler Standschützen. Abschnitt C Etschtal, Bataillone Brixen, Landeck, Meran III, Welschtiroler Standschützen. Abschnitt D Folgaria, Bataillone Gries, Kitzbühel, Reute I, Kufstein, Welscht. Standschützen. Abschnitt E Lavarone, Sterzing, Schwaz, Welscht. Standschützen. Abschnitt F Valsugana, Bataillone Meran II, Zillertal, Reute II.

IV. Rayon Fleimstal: Bataillone Auer, Feldkirch, Rankweil, Dornbirn, Nauders, Kastelruth, Welschnofen, Bregenz, Gröden, Welschtiroler Standschützen.

V. Rayon Pustertal: Bataillone Enneberg, Bruneck, Innsbruck I und II, Passeier, Imst, Sillian, Silz, Welsberg.

Insgesamt bestand das Standschützenaufgebot aus 180 Offizieren, 779 Unteroffizieren und 15.625 Schützen. Gesamtstärke der Standschützen bei Kriegsausbruch: 16.584 Mann. Enneberg und Bruneck stellten allein 940 Offiziere und Mannschaften. Nach den Einsätzen im Osten standen im Frühjahr 1915 für die Landesverteidigung 20 Offiziere, 102 Unteroffiziere und 510 Mann zur Verfügung. Der Bürgermeister und Eigentümer des Hotels „Post" (Franz Kostner) in Corvara übernahm als gewählter Schützenmajor das Kommando der Standschützen aus Enneberg und Bruneck.


Als die ersten italienischen Patrouillen gegen die österreichischen Stellungen vorfühlten, schlug ihnen von Gipfeln und Graten ein gut gezieltes Scharfschützenfeuer entgegen. Diese Verteidiger waren die Standschützen, über die das Generalstabswerk "La Conquista del Col di Lana" vermerkt:

"Die Standschützen setzten sich aus Freiwilligen von Tirol und Vorarlberg zusammen. Lang nicht alle waren militärisch ausgebildet. Die meisten waren überhaupt zu jung oder viel zu alt dazu, doch sie erwiesen sich für die Verteidigung ihres Landes sehr wertvoll. Diese rauhen Jäger und unermüdlichen Gebirgler hingen mit seltener Liebe an ihren Bergen, mit denen und ihrem alten Kaiser sie von Jugend auf verwachsen waren. Sie wurden gleich unsere erbittersten Feinde".

Die Standschützen traten dann auf der Hochfläche von Folgaria-Lavarone noch freiwillige Schützen aus Oberösterreich zur Seite, hauptsächlich Jugendliche im Alter unter 18 Jahren.

In Kärnten geschah wie in Tirol ein Wunder. Ein Wunder der Heimatliebe und des Opfermutes.

12.000 freiwillige Schützen tauchten auf gespenstische Weise auf und besetzten die Gipfel, Grate und Hangstellungen der Karnischen und Julischen Alpen. Schüler und Studenten aus der Steiermark, Bauernbuben, Lehrlinge und Gymnasiasten aus Salzburg stiegen, unter der Last ihrer Rüstungen fast zusammenbrechend, in die Höhenstellungen und wehrten dem Feind das Eindringen in das Land. Von ihnen waren aber allein 8.422 Kämpfer aus Kärnten, die mit ihren Leibern die engere Heimat deckten.

Den Buben und den alten Männern in Tirol kam als erste Hilfe das Deutsche Alpenkorps zur Unterstützung herangeeilt, ausgestattet mit Kampferfahrung, vortrefflicher Disziplin und hervorragender Gebirgsartillerie. Dann kamen österreichische Truppen des Feldheeres. Wochenlang aber lag die Last der Verteidigung allein auf den Schultern von Knaben und Greisen, die zum Teil von Mädchen, Kindern und Bauersfrauen aus dem Tale in ihre Höhenstellungen versorgt wurden.


Bergführer im Einsatz am Ortler


Soldat einer Berführerkompanie 1918




Wie aus dem Nichts kamen 40.000 Freiwillige:
Am Nachmittag des 18. Mai drang die Kunde von dem kaiserlichen Alarmbefehl hinaus zu allen Abschnitts- und Unterabschnittskommandos. Diese verständigten durch den Draht die Führer der Standschützen-Bataillone, diese wieder ihre Kompanien, die Kompanien ihre Zugskommandanten.
Das schwierigste war nun die Verständigung der einzelnen Schützen, der 40.000 Mann, die zerstreut im ganzen Lande, in Städten, Märkten, Dörfern, Weilern, einzelnen Gehöften, in weltabgeschiedenen Tälern, auf schwer zugänglichen Berghängen und auf Jochen hausten. Leicht war es in den geschlossenen Ortschaften, die Leute zusammenzutrommeln. Fuhrwerke, Reiter, Radfahrer jagten nach einem genau vorgesehenen Plan von Dorf zu Dorf, Boten mit Laufzetteln gingen von Haus zu Haus, ganz wie zu Hofers Zeit, durch die Dorfgassen schmetterten die Hörner das Alarmsignal.
Schwerer war es schon, die weitentlegenen, zerstreuten Gemeinden in den Hochtälern zu verständigen. Da gellten dann die Kirchenglocken, Sturm läutend von Turm zu Turm, Böllerschüsse dröhnten durch stille Täler, die Schützen der einsamen Höfe zu den Waffen rufend. Und die den Ruf der Glocken, das Dröhnen der Böller nicht hörten, die sahen bei einbrechender Abenddämmerung des 18. Mai 1915 das Glühen der Höhenfeuer, die das verabredete Signal für den Tiroler Heerbann waren.




Die Tiroler und Vorarlberger Standschützen:
In den denkwürdigen Maitagen in der Woche vor Pfingsten des Jahres 1915 formierten sich:
39 Deutschtiroler Standschützen-Bataillone (einschließlich der gemischt-deutsch-ladinischen Bataillone Enneberg und Gröden), zwei selbständige Deutschtiroler Standschützen-Kompanien (Stilfs und Taufers) und sechs Vorarlberger Standschützen-Bataillone, insgesamt somit 47 deutschsprachige Einheiten; außerdem vier Welschtiroler Standschützen-Bataillone (Cavalese, Cles, Cusiano, Male) und 41 (mehr oder weniger selbständige) Welschtiroler Standschützen-Abteilungen, -Kompanien bzw. -Formationen (einschließlich der ladinischen Kompanien des Fassatales Campitello, Moena und Pozza), insgesamt also 45 Welschtiroler Einheiten.
Die für Welschtirol genannte Zahl kann nicht als völlig gesichert angesehen werden, da sich nicht für alle Formationen belegen ließ, ob sie beim Ausbruch des Krieges mit Italien noch bestanden.


Darüberhinaus schwanken auch in den offiziellen Unterlagen - wie Standesnachweisen, Befehlsanschriften oder Dienststempeln - die Bezeichnungen zwischen „Bataillon", „Kompanie", „Abteilung" und „Formation". Zudem gehörten einige Kompanien, wie zum Beispiel Rabbi und Moena, zeitweise zu Standschützen-Bataillonen (Male, Cavalese), zeitweise waren sie aber auch selbständig.
Bereits am Pfingstsamstag, dem 22. Mai 1915, dem Tage vor der Kriegserklärung des Königreiches Italien an die Österreich-Ungarische Monarchie, rollten nach der mit der Präzision eines Uhrwerkes abgelaufenen Mobilisierung die ersten Eisenbahnzüge mit Standschützen aus Nordtirol über den Brenner zur bedrohten Tiroler Südgrenze, die zugleich die Reichsgrenze gegen Italien bildete; sie wurde dann von den einzelnen Bataillonen im Fußmarsch erreicht: in Anbetracht der Tatsache, daß es sich bei den Standschützen nicht um eine aktive Truppe, sondern um eine Miliz handelte, eine bewundernswerte Leistung. Weitere Eisenbahnzüge mit Nordtirolern und Vorarlbergern trafen in den darauffolgenden Tagen ein.
Zurück blieb zunächst nur das Standschützen-Bataillon Zillertal, das vorerst zur Sicherung des Alpenhauptkammes vorgesehen war. Ebenso wurde das Standschützen-Bataillon Lienz zum Schütze der Osttiroler Grenze in Reservestellungen südlich des Drautales beordert und von dort erst im September 1915 abgezogen.


Auch das beiderseits des Reschen-Passes beheimatete Bataillon Nauders-Ried folgte erst Ende Juni 1915 an die Front. Die Südtiroler Formationen hatten zum Teil schon am Tage nach der Mobilisierung, am 19. Mai 1915, die ihnen zugewiesenen Bereitstellungsräume oder Stellungen besetzt, von wo aus sie bereits vor Kriegsbeginn kühne Patrouillengänge unternahmen.
So lagen die Standschützen zusammen mit den zuvor genannten anderen österreichischen Truppenteilen auf der Wacht, um den weit überlegenen Gegner abzuwehren, der jedoch zur Überraschung der österreichischen Führung nicht sogleich zum Angriff ansetzte. Da die Schützen nur an wenigen Plätzen vorbereitete Stellungen und Unterkünfte vorfanden, mußten sie sich diese neben dem Feldwachendienst, glücklicherweise jedoch vom Feinde unbelästigt, in mühe-Standschützen auf dem Marsch in die Stellungen voller Arbeit schaffen.





Das letzte Aufgebot Oberösterreichs!
Als zu Beginn des Jahres 1915 kaum mehr ein Zweifel bestand, dass Italien an der Seite unserer Gegner in den Krieg eintreten werde, wurde der oberösterreichische Landesschützenverband in aller Stille von der 0. Ö. k. k. Statthalterei aufgefordert, eine Freiwilligentruppe zu organisieren.
In Linz rückten unter dem Jubel der Bevölkerung gegen 1700 Mann ein. Zugelassen waren nur Mindertaugliche, die bei den vorangegangenen Musterungen als nicht geeignet befunden worden waren, ferner die zu jungen und die zu alten. Von den Mittelschulen strömten die oberen Klassen vielfach mit ihren Lehrern herbei; Lehrlinge, Gehilfen und Meister verließen ihre Werkstätten, Knechte und Bauernsöhne Haus und Hof und Pflug. Der Älteste war 68 Jahre, der Jüngste kaum vierzehn Jahre alt. Sieben Väter meldeten sich mit ihren Söhnen. 31 Brüderpaare, in einem Falle sogar drei Brüder."
„So steht denn Punkt halb sechs Uhr früh das Bataillon marschbereit zum letzten Male im Hof der Kaserne. Die Vöglein zwitschern von alten Bäumen lustig in den jungen Tag hinein und machen uns eine feine Abschiedsmusik... Schon schallen helle Kommandoworte über den Platz, ein letzter Blick noch hinauf zu den Fenstern des stattlichen Schulhauses, das uns so lange als Heimstätte gedient und dann gehts hinaus durchs Tor im gleichen Schritt und Tritt zum Platz hin, wo das Regiment versammelt steht... Eine markige Ansprache des Generals, einige herzliche Abschiedsworte seitens der Stadtvertretung, die Regimentsmusik spielt das, Gebet vor der Schlacht' und dann zieht die blumen- und fahnengeschmückte junge Schar der oberösterreichischen Schützen beim Klang des jedem Österreicher altheiligen Radetzkymarsches hinaus aus der Stadt zum Bahnhof.
Die Städter schlafen meist noch und die Häuser gucken recht verträumt mit ihren in der Morgensonne wie verschlafene Äuglein blinkenden Fenstern auf die ausziehenden Krieger.Nicht einer von denen, die uns begegnen, der nicht stehen bliebe, wenn er uns sieht. Da hebt sich grüßend eine Hand, dort schaund Sieg!' und ein herzliches  Auf Wiedersehen !'. Hier wird uns mit Fahnen und Tüchern zugewunken, ein kleiner Bub am Fenster, noch im Nachthemdchen, schwenkt seinen Strumpf. Dort aber, ganz hinten im Hauseingang, da steht eine Frau. Sie winkt nicht, sie ruft nicht, sie drückt nur verstohlen ein Tuch an die Augen. Aus diesen Augen aber leuchtet aller Segen und Segenswunsch für den Einen und Einzigen, der dort im Zuge schreitet.

Die Schützen aber ziehen frohgemut daher und singen begeistert ihren Schützenmarsch: ,Es lebt der Schütze froh und frei!' Vor dem Bahnhof, da gibt es noch einen letzten Halt, einen letzten Abschied. Dann wird einwaggoniert und unter brausendem Rufen und Singen rollt endlich der lange Zug langsam hinaus, der ungewissen Zukunft entgegen. Aus dem Räderrallen heraus klingt es noch wie: ,Lieb Heimatland, ade!'
Ewig wechselnde Bilder, eines schöner als das andere, ziehen an uns vorüber und zeigen uns die Schönheit des so schwer bedrohten Vaterlandes in vollstem Glänze. Wir fahren dahin wie in einem Triumphzuge. Da ist keine Wegkreuzung, wo nicht kleine Hände winken, kein Feld, wo nicht die Schnitter von ihrer eiligen Arbeit aufsehen zu uns, kein Hirt, der nicht seinen Hut schwenkte oder einen Jodler herübersendete, der natürlich bei unseren Gebirglern sein vielfältiges Echo findet. Auch der Himmel ist uns gnädig. Zwei schöne Tage und eine milde, hochromantische Sommernacht sind uns zur Fahrt beschieden. Ich sitze auf einem offenen Wagen und genieße in vollen Zügen die Mondscheinfahrt durch das enge, wasserdurchtoste und burgengekrönte Tal, das wie ein zur Wirklichkeit gewordenes Gedicht Eichendorffs anmutet. Vom Mittag des zweiten Tages ab nähern wir uns dem Kampfgebiete. Die Bewachung der Strecke wird immer schärfer und dichter, die ersten Feldgendarmen tauchen auf. Schützengräben und Drahtverhaue sieht man im Baue, Lastautomobile aller Art wirbeln den Staub der Straße auf oder stehen in endlosen Reihen wohlgeordnet auf ihren Sammelplätzen. Alle Züge, die uns begegnen, sind leer. Dafür schafft eine Kette ohne Ende von mit uns in gleicher Richtung laufenden Zügen Kriegsbedarf aller Art.
Immer herzlicher und inniger wird der Empfang, immer heißer auch der Boden. Am rührendsten war wohl die schlichte Art eines Bürgermeisters hart an der Sprachgrenze, der unserem Kommandanten immer und immer wieder die Hand drückte und dabei sagte: ,lch bitt Euch, schützt unser Landl!'


Kurze Zeit darauf ist mit einem Schlage alles still. Die Häuser sind dem Anscheine nach leer, kein freundliches Licht blinkt uns mehr entgegen. Die wenigen Leute in bürgerlicher Kleidung, die sich noch blicken lassen, sind stumm und verschlossen. Keine Hand regt sich mehr zum Gruß, nur die Soldaten rufen uns ein herzliches ,Soldatenglück!' zu. Wir haben eben die Sprachgrenze überschritten. Doch wenn Menschen schweigen, müssen Steine reden. Und sie reden auch eine deutliche Sprache, diese himmelansteigenden Berge, von deren Höhen der weiße Geisterarm des Scheinwerfers hingleitet über Busch und Tal und uns den stillen Willkommgruß bietet. Ein Flieger surrt durch die Luft und jetzt, halt, jetzt rollt auch der erste Geschützdonner in vielfachem Widerhall durch die Bergwände. So fahren wir durch die schweigende, südlich sternenhelle Nacht dahin und langen gegen Mitternacht endlich im Bahnhofe Trient ein. Bald stehen wir in Reih und Glied auf dem nachtdunklen Bahnhofplatz. Wieder begrüßt uns der kommandierende General mit herzlichen Worten. Weithin schallt seine Stimme durch die schwarze, feindliche Nacht. Dann fällt die Musik mit dem Kaiserlied ein und wie ein Schwur klingt es hinauf zum nächtlichen Himmel: .Österreich wird ewig stehn!'"

Die oberösterreichischen Freiwilligen kommen!
Als wir gegen die Straße kamen, die von Monte Rover her ins Assatal führt und jetzt bei unserer Widerstandslinie endet, hören wir helle Stimmen singen. Ein ergreifendes Bild: der Himmel zuckt immer wieder von den Mündungsflammen italienischer Geschütze, dumpf rollen die Abschüsse, aus der Richtung Rocca alta dröhnen Einschläge, bellen Schrappnells, und hier marschieren junge Leute durch die Nacht und singen mit ihren hellen hohen Stimmen: ,dass sich unsere alte Kraft erprobt, wenn der Schlachtruf uns entgegen tobt, haltet aus im Sturmgebraus'!

Wer ist das? Viele unter ihnen höchstens sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Die Rüstung hängt schwer und übergroß an ihren schmalen Gestalten, manchem reicht das Gewehr bis unter die Knie. Aber sie marschieren rasch, taktfest, und von vorne kommt ein neues Lied, wird übernommen, braust mächtig zum sternklaren, feuerdurchzuckten Himmel auf:,Stimmt an mit hellem, hohem Sang, stimmt an das Lied der Lieder, des Vaterlandes Hochgesang das Waldtal hallt es wider...'

Wer seid ihr? rufen wir einen an. ,Oberösterreichische Jungschützen!' antwortet eine ganze Doppelreihe, und es liegt soviel Stolz, Wagemut und Entschlossenheit in diesen Worten, dass es mich kalt überläuft. Mein Gott, ahnen denn die Burschen da, was ihnen bevorsteht ? Werden ihre Seelen nicht an der grausamen Wirklichkeit da vorne zerbrechen? Das sind Soldaten, die man zum Angriff führen müsste und nicht in den trostlosen Hexenkessel, den diese Front wahrscheinlich in wenigen Stunden darstellen wird."



Kärnten: Ein Land eilt zu den Waffen!
„Der Einsatz der Kärnter Selbstverteidigung hat überhaupt erst den Ausbau sowie das Halten der Karnischen und Julischen Front ermöglicht. Dadurch konnten, trotz des unglücklichen Kriegsausganges, das Gail- und Lesachtal sowie der Karnische Hauptkamm Teil Kärntens verbleiben.
Hätte man diese Regionen bereits 1915 aufgegeben, so wäre es mehr als fraglich, ob sie heute noch zu Kärnten gehören würden. An diesem Beispiel zeigt sich, wie groß und bis heute unermeßlich wertvoll der unter schrecklichen Opfern erbrachte Einsatz der Kärntner Freiwilligen Schützen war; dies sollte niemals vergessen werden.
Knapp vor Ausbruch des Krieges hatte die oberste Herresleitung es nicht für möglich gehalten, den Karnischen Kamm zu verteidigen. Man wollte das Lesachtal und das Gailtal aufgeben und erst die Linie nördlich der beiden Täler verteidigen. So hatte man am Gailbergsattel bereits Stellungen ausgehoben, deren Spuren man noch heute sieht. So trostlos sah man die Lage.
Carl Gressel und andere entschlossene Kommandeure führten die Freiwilligen Schützen aber entgegen der pessimistischen Einschätzung der vorgesetzten Stellen an die Landesgrenze - und dort hielten sie dem Feinde stand.
Im Februar und März 1915 wurden vier Regimenter Kärntner Freiwillige Schützen aufgestellt.



Die Freiwilligen Steirerschützen:
Zu Pfingsten 1915 wurde in der Steiermark die Formation der Freiwilligen Steirerschützen ins Leben gerufen.
„25 Juli 1915. An diesem Tage kam unser Abmarschbefehl. Die Marschkompanie trat auf dem Murkai in Graz in Kolonne an. Wir waren über und über mit Blumen geschmückt. Eine unübersehbare Menschenmenge war anwesend, um die Freiwilligen abmarschieren zu sehen. In den sonnigen Sonntagmorgen hinein ertönt das ,Gebet vor der Schlacht'. Der Hornist bläst zum Gebet. Das war ein ergreifender und feierlicher Augenblick. Es kam uns jetzt die Schwere unseres Entschlusses so recht in den Sinn. Unsere Angehörigen sehen mit tränenfeuchten Augen auf uns begeisterte Jungen und wir werden wohl alle dasselbe gedacht haben... wer wird bleiben...?

Ein scharfes Kommando erweckt uns aus allen Betrachtungen. Alle Weichheit fällt jäh ab. ,Doppelreihen abfallen rechts um! Marschieren, Kompanie marsch!' Ein einziger Schlag die ganze Kompanie. Stolz leuchten die Augen unserer Kommandanten. Seine Jungen können was. ,Ruht! Abgeblasen!'
Die Regimentsmusik fällt mit der Marschmusik ein. Jäh sind die vordem so festgeschlossenen Reihen von den Angehörigen durchbrochen. Noch mehr Blumen und Liebesgaben werden an allen möglichen und unmöglichen Stellen verstaut.
Diesmal drückt unser Kommandant beide Augen zu. So geht es jubelnd und jauchzend durch die Annenstraße gegen den Bahnhof. Mütter und Väter und Geschwister begleiten ihren Freiwilligen. Aus den Fenstern und von den Gehsteigen jubeln die Grazer ihren Jungschützen zu. Es ist ein wahrer Triumphmarsch.


Der Transportzug steht bereit. In musterhafter Ordnung wird einwaggoniert. Rascher Abschied. Unsere Angehörigen und der sonstige liebevolle Anhang brechen in Tränen aus. Da wollen wir denn doch zeigen, dass wir Soldaten sind, und jäh brandet das Schützenlied hoch:
,Es lebt der Schütze froh und frei...' Mitten im vollen Klange setzt sich der Zug in Bewegung ... Heilrufe ... Tücherschwenken ...und nach einer Biegung sind wir allein. Sind nur mehr ganz Soldaten..."


Die Steirer auf den Sieben Gemeinden und auf dem Ortler:
Ab 30. November 1917 standen die Freiwilligen Steirischen Schützen im Gebiet der Sieben Gemeinden in der Gibraltar-Stellung, an der Astico-Talsperre und auf dem sogenannten Tiger-Rücken. Mehr als 20 Unternehmungen gegen den Feind führte das Baon hier aus und wies drei Großangriffe und mehrere kleinere Angriffe mit alter Entschlossenheit ab.
Dann ging es in die Stellungen am Monte Cimone, wo die Steirer das 3. Baon der Freiwilligen Kärntner Schützen ablösten. Die Stellung war denkbar ungünstig: von drei Seiten war die österreichische Stellung von den Italienern eingeschlossen, die sich bis auf 60 Meter Distanz herangearbeitet hatten. Vom Cimonegipfel her war die österreichische Stellung überdies eingesehen, was entsprechendes Artilleriefeuer auf die Steirerschützen bedeutete. Hier verlor das Baon in vier Monaten mehr Tote und Verwundete als vorher in zwei Jahren seines Einsatzes.


Am 3. September wurde das Baon im Räume Ortler-Königsspitze eingesetzt. Diese Spitzen und Grate konnten nur durch ausgesuchte Truppen verteidigt werden.
Was das Bataillon in der Ortlerstellung erlitt, schildert Oberjäger Hans Lukas:
„Arbeit. Ununterbrochene Arbeit: Das ist das Los der Ortlerleute, ist das Los aller in diesen Gletscherregionen. Den Feind fürchten sie nicht... Aber die Stürme, die Spalten, die Wände aus Eis, den Frost...


Was der Ortler an Mühe und Schweiß, an Entsagung und Aufopferung kostet, welche Flüche stündlich über ihn flattern, das weiß nur der, der die Leute dort immer sieht, mit ihnen lebt. Ja, viel Hartes schlägt über dieser letzten Ortlerbesatzung - wie über allen Kameraden an dieser Front - zusammen. Und doch besitzen sie noch ihren alten Frohsinn, ihre Tatenlust, ihre Kampfesfreude ist nicht erstarrt. Noch lebt der Geist in ihnen, der sie als Soldaten beseelt. Das beweisen noch in den letzten Tagen die Kärntner Kameraden drüben auf dem Scorluzzo, den sie in einer von Kampflärm erfüllten Nacht heldenmütig gegen die mit Todesverachtung angreifenden Alpiniverteidigen. An der ganzen Ortlerfront hört man das Gefecht. Und überall wird es lebendig im Eis, Stutzen und Handgranaten, Dolchmesser und Maschinengewehre warten...
Warten auf die Erlösung. Denn Kampf bedeutet hier nichts anderes! Hier in der Welt von ewigem Eis und Schnee."

 

 

Die letzten Schüsse der Ortlerbrigade:
Der Steirische Freiwillige Schütze, Oberjäger Hans Lukas erzählt, wie die Schützen das Kriegsende auf dem Ortler erlebten:
„Da wird die Räumung der eigenen Front angeordnet. Wir auf der Payerhütte arbeiten fieberhaft, um zu bergen, was überhaupt noch zu bergen ist. Der Ortlergipfel wird befehlsgemäß verlassen. Da und dort dröhnt aus der Ferne ein matter Sprengschuss. Um so mehr donnert es aus den Geschützen der Italiener. Noch können wir nicht glauben, dass der Ortler verloren ist, dass es keine Front mehr geben soll. Wir sind so gläubig, dass wir noch an eine neue Widerstandslinie, irgendwo draußen im Tale, denken. Und vor allem krampfen wir uns an die Hoffnung, dass - wenn es schon ein Ende nehmen sollte - ein versöhnlicher Ausgleich zustande kommt.

Mit dieser fast kindlichen Hoffnung treten die fünfzig Mann der Payerhütte den Abstieg an. Die Marschunfähigen werden mit der Seilbahn vorausgeschickt. Die anderen schauen in die Tiefe, sehen auf den Weg, der ihnen bevorsteht. Es graut manchem vor diesem Abstieg. Hände krallen sich in Eis und Schnee. Nur nicht nach rechts sehen, wo die Wand jäh über dem Abgrund wuchtet! Wie stark der Lebenswille die letzte Kraft entfachen kann, das zeigt am deutlichsten dieser Weg... Es gelingt. Wir verlieren keinen einzigen Mann.
Da hört gegen 3 Uhr - die Payerhütten-Besatzung müht sich noch in der Tabarettawand - das feindliche Feuer auf. Also doch Waffenstillstand? Aber wir haben uns getäuscht! Um 5 Uhr nachmittags bricht der Geschützdonner wie mit einem Schlage neuerlich los, ja, er verdoppelt sich und wächst zu einem fast ununterbrochenen Dröhnen.

Gefaßt auf einen Kampf um die Enge bei Gomagoi, marschieren wir durch die aufgewühlte Nacht. Jeden einzelnen beseelte der Wille zum Durchbruch. Aber der Feind war noch nicht so weit und wir marschierten unbehelligt durch, zogen durch Nacht und Nebel gegen Mals, sahen von der Maiser Heide zum letztenmal die weißglänzenden Gletscherriesen. Sie standen still und feierlich, wie schon seit urdenklichen Zeiten...Noch einmal flackerte hinter uns Gewehrfeuer auf. Es war am Vormittag des 4. November. Die Gruppe vom Madatschgletscher machte bei Lichtenberg gegen den Befehl von der Waffe Gebrauch und schlug sich durch. Es waren die letzten Schüsse der Ortlerbrigade-
Dann kam der Rückmarsch, die Heimfahrt in das aus tausend Wunden blutende Vaterland..."




Die Freiwilligen Schützen Salzburgs:
Auch im Salzburger Land eilten blutjunge Burschen, Knaben zumeist noch und alte Männer zu den Waffen, um der bedrohten Grenze im Süden Hilfe zu leisten.
Das Schützenwesen blickt im Lande Salzburg auf eine jahrhundertelange Entwicklung zurück. Am 5. Januar 1915 traffen Landesoberschützenmeister Oberst Eduard Tratz und Landesschützenmeister Hans Pirchl in Innsbruck mit dem Innsbrucker Militärkommandanten Feldmarschall-Leutnant von Können-Horak zusammen, der angesichts der drohenden Rüstungen Italiens die beiden Schützenmeister bat, Freiwillige aufzubieten. Diese nahmen die Organisation umgehend in die Hand. Es meldeten sich auf Anhieb 5163 Mann in dem kleinen Land Salzburg, obwohl die gediente Mannschaft schon vollständig zum Heere einberufen war. Die Salzburger Schützen waren mit der Zusage des Armeekommandos gemustert worden, dass sie nur zum Schutze der Tauernübergänge von Krimml bis hin zur steirischen Grenze bestimmt seien. Nun riefen aber Tirol und Kärnten um Hilfe. Für viele Bauern und Bauernsöhne, die Felder und Höfe zu bestellen hatten - ihre Väter und Brüder standen im Felde oder waren bereits gefallen - stellte dies eine ernste Situation dar.
Josef Strohmayr, der Kommandant der Halleiner Schützenkompanie, ließ seine Buben und Männer antreten, erklärte ihnen die neue Situation und verwies darauf, dass die Linie der Verteidiger an Österreichs Südgrenze nur dünn sei. Man müsse die Heimat aber bereits dort verteidigen und nicht erst dann, wenn der Feind schon im Lande stehe. Strohmayr überließes der Mannschaft zu entscheiden, ob sie sich freiwillig dem neuen Befehle unterwerfen wolle oder nicht. Die Kompanie erklärte sich einhellig bereit, dem Ruf zu folgen.
So wie in Hallein war es im ganzen Land, die Schützen zogen an die Front.
Die Pinzgauer hatten eine komplette Ortsmusik mitgebracht, die nun am 20. September 1915 der Truppe mit einer Stärke von 1200 Mann voran mit klingendem Spiel in Hermagor einzog. Über ihnen flatterte die Schützenfahne aus Saalfelden, die schon bei den Kämpfen von 1809 dabei gewesen war.

In Hermagor erwartete der Abschnittskommandant, General von Henneberg, die Salzburger schon sehnsüchtig. Bis zum 3. Oktober 1915 fanden erbitterte Kämpfe um die Stellungen am Prihat, Malurch und Bombaschgraben statt.
Darüber berichtete das „Salzburger Volksblatt" voll Stolz: „So stoßen sich also auch hier die Wälschen an unseren Grenzstellungen die Zähne ein; und sie treffen hier besonders harten Widerstand, denn es sind Salzburger Schützen, die ihnen den Weg versperren. Das Verdienst, das sich die braven Salzburger Schützen hier erwerben, kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden. Hier hindern sie die Italiener daran, durchs Kanaltal ins Villacher Becken einzubrechen; sie schützen damit auch den nächsten Weg, der die Feinde dem Salzburger Lande näher bringen könnte. Die Wälschen werden diesen Weg nie gehen. Salzburger Kraft und Salzburger Treue bürgt uns dafür. Aber wir müssen die Taten dieser Braven noch höher einschätzen, als die anderer Truppen, denn sie sind freiwillig an die Grenze gezogen und haben nach kurzer Ausbildung - sie haben sich nicht so wie die Tiroler Standschützen in langer Friedensarbeit auf den Ernstfall vorbereitet - doch so wacker gefochten. Heil unseren braven Salzburger Schützen!"
Im Juli 1916 gingen die Salzburger dann ihren Stellungen in die Hochgebirgsstellungen am Hochweißstein im Karnischen Kamm ab. Über den weiteren Schicksalsweg der Freiwilligen Salzburger Schützen berichtet das Generalstabswerk „Österreich-Ungarns letzter Krieg":
„Vierzehn Monate waren die Schützen ununterbrochen in den Höhenstellungen gewesen, als ganz unvorbereitet bei Nacht und Schneesturm der Vormarsch im Oktober 1917 angetreten wurde, an dem die Salzburger Freiwilligen Schützen keineswegs bloß als Mitläufer teilnahmen. Ohne Erholung gings dann auf die Hochfläche der Sieben Gemeinden.


Das Infanterieregiment 27 lösten sie ab, die 17er kamen nach ihnen. Das war nun keine ruhige Front mehr, sondern der Drehungspunkt der alten Linie (vor der Offensive 1917) zu den neuen Stellungen. Es gab unablässig Scharmützel und Vorstöße von hüben und drüben, schweres Artillerie- und Minenfeuer lag oft stundenlang über den Gräben, Angriffe, besonders bei Nacht folgten, in der Sartori- und Ghelpachschlucht gings recht heiß zu. Im März 1918 gab es nach zwanzigmonatlicher Frontdienstleistung endlich eine karge Ruhe- und Rastpause, jedoch auch noch im Bereich des feindlichen Feuers. Dann ging es auf den jedem Salzburger heiligen Opferberg, den Monte Cimone. Die Schützen sollten mit Kaiserjägern und Landesschützen in den ersten Wellen zum Sturm über den Caviojorücken gegen die Priafora vorgehen. Die ganze Aufklärungs­und Vorbereitungsarbeit wurde in die Hände des Bataillons gelegt. Der Gegner wußte, was bevorstand und beantwortete auch unbedeutende Aktionen mit schwerstem Feuer. Aufklärungs- und Sturmabteilungen des Bataillons waren in steter Aktion im Vorfeld, in der Nacht hieß es Munition stapeln.
Im September treffen wir das Bataillon auf den Hochgipfeln des Ortlermassivs. Umspannende Fronterfahrung, Mannschaftsauslese und die unbedingte Verläßlichkeit der Gesinnung reihten das Bataillon unter die wertvollste Kampftruppe. Es blieb bis zum Schluß auf verantwortungsvoller Stelle. Dem Bataillon blieb durch ein gütiges Schicksal die Gefangennahme durch den Gegner erspart. Salzburger Schützen waren die letzten Truppen, die das Reschen-Scheideck passierten.
Die Gedenktafel der Salzburger Freiwilligen Schützen trägt die schlichten eindrucksvollen Worte:
,Zur dankbaren Erinnerung an die k. k. Freiwilligen Schützen Salzburgs, die im Weltkrieg bei Pontebba, auf dem Monte Peralba und den Ciadenis in den Sieben Gemeinden, auf dem Monte Cimone und dem Ortler den Heldentod für das Vaterland erlitten haben. Jeder zehnte Mann gefallen'."

Sackfetzen an den Füßen: Die Salzburger Schützen auf dem Ortler:
Ab dem 19. August 1918 stand das Salzburger Bataillon der Freiwilligen Schützen in den höchsten Stellungen der Welt auf dem Ortler.
Das Ende der alten Armee zeichnete sich ab: Die Verpflegungs- und Nachschublage zeigte das drohende nahe Ende an. „Dörrgemüse bildete die Hauptnahrung der Mannschaft, welche den schweren Dienst im Hochgebirge zu versehen hatte. Schuhe und Monturen blieben aus, zerrissen und dürftig bekleidet waren die Leute bei ihren Arbeiten, schweren Schneestürmen und einer Kälte von 25 Grad und mehr ausgesetzt. ,Wir können euch nichts geben, wir haben selber nichts', das war die stete Antwort, welche die höheren Kommanden den Klagen über die mangelhafte Verpflegung und Ausrüstung entgegensetzten. Die Leute mussten sich um Sackfetzen raufen, um das Gletschereis nicht mit bloßen Füßen betreten zu müssen.






Der „Tiroler Landlibell" des Jahres 1511:

Der „Tiroler Landlibell“ ist ein konstitutionelles Dokument zur Reglementierung der territorialen Verteidigung Tirols. „Libell" da das Dokument als Heft oder Büchlein präsentiert wurde, das aus verschiedenen Seiten bestand, Libell eben. Die von vier Tiroler Ständen vereinbarten Bestimmungen, und zwar von den Prälaten, den Adeligen, von der Stadt und von den Gerichtskreisen, wurden auch von den mit der Tiroler Grafschaft verbündeten Bischofssitzen von Brixen und Trient, angenommen. Alle Untertanen männlichen Geschlechtes des Landes Tirols sind dazu aufgefordert dem Ruf zu den Waffen zur Verteidigung des Gebietes zu folgen. Den Gerichtsautoritäten der verschiedenen Bezirke war die Aufgabedes „Rufes zu den Waffen" in Funktion des Gefährlichkeitsgrades anvertraut und wurde die Wehrerfassung in fünf Stufen untergeteilt.

Die erste sollte fünftausend Männer umfassen, die zweite zehntausend, die dritte fünfzehntausend und die vierte zwanzigtausend (die Bestimmungen wurden im Jahr 1605 wieder überarbeitet und auf drei Stufen, d.h. zehn-, fünfzehn- und zwanzigtausend Männer an denWaffen, reduziert). Die territoriale Miliz umfasste zwanzigtausend Männer und wurde nicht nur durch Aufruf einberufen, sondern auch wenn die Umstände es verlangten durch Sturmläuten der Glocken von allen Glockentürmen. Den Wehrdienstverweigerern wurden persönliche und ihren Besitz betreffende Strafen auferlegt. Ab dem Jahr 1647 trat auch ein Signalisierungssystem durch auf Anhöhen und in der Nähe von Bergbauernhöfen entzündetem Feuer in Kraft.

Der Gebietsfürst sorgte für die Beschaffung der Feuerwaffen, von Schießpulver, Geschossen, Waffenmeistern, Hakenbüchsenmeistern, Rüstungen mit notwendigem Zubehör und garantierte das Vorhandensein von Getreidelieferungen, Lebensmittelvorräten und Mehl in den dafür bestimmten Speichern. Darüberhinaus sorgte er für die Instandhaltung der Befestigungen an den Landesgrenzen und an den Talengen wie Finstermünz, Ehrenburg, Scharnitz, Kufstein, Mühlbach, Rio Pusteria und der Klause von Lienz, neben den Arsenalen, wie z.B. in Innsbruck. Neben den beiden Hauptarsenalen wurden lokale Arsenale und Zeughäuser in Orten mit befestigten Gerichtssitzen eingerichtet, wie in: Kastelbell, Schiandersberg, Lichtenberg, Naudersberg, Sigmundsried, Landeck, St. Petersberg, Hörtenberg, Welsberg und in noch anderen Orten. Der neunte Libell des Jahres 1511 sanktionierte eine Einschränkung der Macht des Gebietsfürsten, der ein absolutes Verbot zum Beginn eines Krieges vorsah in den Tirol verwickelt werde, ohne vorhergehender Information der Tiroler Provinzstände und ohne deren Genehmigung. Es wurde überdies auch unterstrichen, dass die Provinzstände selbst weder verpflichtet noch gezwungen waren bei einem Ruf zu den Waffen das Land zu verlassen, ihre Beteiligung konnte aber für die Verteidigung, für den Widerstand und zur Bewahrung des Zustandes im Land selbst, angefordert werden.

Bemerkenswert war die Tatsache, dass die Untertanen der Bischofssitze Brixen und Trient bei der Teilnahme an einer Einberufung nicht mit der Tiroler Fahne in den Kampf gingen, sondern mit einer eigenen Fahne die „Vendl" genannt wurde. Die ältesten Dokumentationen, betreffend die Genehmigung der Verwendung von Standarten, geht auf die Jahre 1410 bis 1496 zurück. Kaiser Maximilian erteilte sie im Jahr 1496 und bestätigte das Recht die eigenen Fahnen zu tragen. 1908 wurden 25 Fahnen als die ältesten der Schützen angesehen, und zwar diejenigen von: Kufstein, Lienz, Sand in Taufers, Innsbruck, Hötting, Hall, Thaut, Stubai, Kitzbühel, Achental, Schwaz, Stumm, Telfs, Imst, Reutte, Wenns, Ried, Innichen, Dölsach, Kastelruth, Bozen, Meran, Kaltern, Eppan und Inzing (bei letzterer handelt es sich um eine französische Fahne, einer Kriegsbeute).


An die Feinde!

Seht ihr von den Bergen das Feuer blitzen?
Das sind die Stutzen der freiwill`gen Schützen!
Sie zielen gut und sie schießen weit,
sie befördern euch schnell in die Ewigkeit!

(freiw. Oö. Schütze Konrad Rauch)

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