<Der Friedensvertrag von St. Germain, Diktatfrieden

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Die österr. Delegation

Der Friedensvertrag von
St. Germain en Lane:


Dr. Karl Renner

Behandlung der österreichischen Friedensabgeordneten:
Die Behandlung, die den Friedensabgeordneten zuteil wurde, bildet eine würdige Einleitung zu dem schmachvollen "Friedenswerk". Freilich fühlten die "Sieger" ihr Wüten vor allem an dem nach so langem und heißem Bemühen in die Knie gezwungenen Deutschen Reich, aber auch Österreich, das heißt Deutsch-Österreich, bekam den Geist von Versailles voll und ganz zu spüren: "diesen Geist des Hasses, der Rache, der Vernichtung". (Freiherr von Lersner, erster Vorsitzender der deutschen Friedensabordnung in Versailles).

Ganz von derselben Art wie die der reichsdeutschen waren die Erlebnisse der deutschösterreichischen Friedensdelegation, die in St. Germain ebenfalls "interniert" blieb, wobei gelegentlich einmal ein französischer Beamter durch die Zimmer lief, um angebliche Beschädigungen festzustellen, wohl eher um etwas auszuspähen. Das Verbot eines "Verkehrs mit dem Feind" bestand noch und äußerte sich beispielsweise darin, dass die englischen und amerikanischen Offiziere, die General Slatin besuchten und oft stundenlang bei ihm waren, ihm als Österreicher nicht die Hand reichen durften.

Geschah dies dem bei den Briten wegen seiner Leistungen im englisch-ägyptischen Sudan hochgeachteten Manne, wie viel größer war der Abstand bei den anderen. Als unwürdig wurde empfunden, dass die Österreicher nur zu Fünfen mit Detektivbegleitung, worunter es Lümmel gab, aus ihrer "Reservation" zu Einkäufen ausgehen in keinem Gast- oder Kaffeehaus einkehren oder etwas anderes als Rauchzeug kaufen durften.

Viel bedrückender als die Beschränkungen der persönlichen Freiheit musste aber die Bedeutungslosigkeit empfunden werden, zu der sich alle Gelehrten und Fachleute verurteilt sahen, die doch gehofft hatten, dass man ihre Meinung, ihren Rat, ihre Hilfe in Anspruch nehmen werde, wenn es um ihr eigenes Land und Volk ging und die einfach zusehen mussten, wie Übelwollende und Unwissende das Schicksal ihres Vaterlandes bestimmten, ohne Einwände oder Berichtigungen auch nur zu hören: Unerhört war schließlich und noch nicht dagewesen, dass die Abordnung seines mündlichen Verkehres gewürdigt, sondern alles nur schriftlich erledigt wurde. Man fürchtete wohl die Macht des lebendigen Wortes, wollte keine Augen- und Ohrenzeugen bei den Verhandlungen und meinte, so die Geringschätzung des Gegners besser zum Ausdruck bringen zu können.

Die Friedensurkunde:
Im Mai 1919 war die österreichische Friedensabordnung, geführt von Staatskanzler Dr. Karl Renner, zu St. Germain en Lane eingetroffen, musste aber wochenlang auf Eröffnungen warten. Erst am 2. Juni erhielt sie den Wortlaut der Bedingungen, die auf denselben Ton gestimmt waren wie die Versailler für das Deutsche Reich: erbarmungslos und ungerecht. Die österreichischen Abgeordneten machten hiezu verschiedene Bemerkungen, Berichtigungen und Verbesserungsvorschläge, die einen geänderten Wert der Urkunde zur Folge hatten, welche ihnen am 20. Juli und am 2. September neuerdings mit einem befristeten Entschlussvorschreiben (Ultimatum) von fünf tagen überreicht wurde.


Die Wiener Nationalversammlung gab am 6. September mit siebenundneunzig gegen dreiundzwanzig (nationale) Stimmen ihr Einverständnis zum "Frieden", doch unter Einsprache gegen die Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der Deutschösterreicher und unter Kennzeichnung des "Vertrages" als völkisch ungerecht, politisch verhängnisvoll und wirtschaftlich undurchführbar. Über 3,5 Millionen Deutsche in den Sudeten- und Alpenländern seien von ihrem Volke getrennt, ein schneidendes Schwert mitten durchs Herz Tirols gestoßen. Das Volk Deutschösterreichs - die verbündeten zwangen es, das "Deutsch" zu streichen - erhoffte vom Völkerbund Abhilfe.

Es blieb natürlich nichts übrig, als sich dem Gebot zu fügen und entgegen aller Überzeugung von der Unmöglichkeit der oft wahnwitzigen Bestimmungen zu unterschreiben, was die Machthaber wollten.

So wurde der sogenannte "Friedensvertrag" am 10. September 1919 unterzeichnet, am 17. Oktober 1919 von Österreich angenommen (dementsprechend Verfassungsänderung vom 21. Oktober 1919) und trat am 16. Juli 1920 mit Austausch der Ratifikationsurkunde in Kraft.



Die Begrenzung Deutschösterreichs nach den Bestimmungen von St. Germain;
Man hoffte dass wenigstens die Alpenländer, deren deutscher Charakter doch zweifellos feststeht, unversehrt beieinander bleiben würden; auf das westliche Südtirol und das windische Untersteier (einschließlich des allzufernen deutschen Eilli) war man zu verzichten bereit, wenn nur Deutsch-Südtirol und das steirische Draugebiet uns verblieb, Kärntens Einheit nicht angetastet wurde und das verheißene Deutsch-Westungarn zu uns kam.


Aber selbst diese mehr als bescheidenen Hoffnungen wurden enttäuscht, trotzdem sie sich auf das ununterbrochen laut und nachdrücklich, verkündete Selbstbestimmungsrecht stützen. Italien und Südslawien setzten ihre Wünsche durch, die nur dort unvollkommen in Erfüllung gingen, wo der stärkere "Sieger" dem schwächeren nicht die ganze Beute gönnte (Kärnten!).

Von Tirol und Steiermark wurde der Süden ohne Volksbefragung abgetrennt, Kärnten und Niederösterreich verloren wenigstens einige bedeutsame Grenzstreifen, das Burgenland aber kam nur als Ausschnitt aus dem viel größeren Deutsch-Westungarn an uns. Gegenüber dem Deutschen Reich, der Schweiz und Liechtenstein blieb die alte Grenze aufrecht.

Am Reschen-Scheideck (1.500 m) Zwischen Engadin und Vintschgau beginnt die neue "Wasserscheiden" Grenze gegen Italien, die aus militärischen und nationalen Gründen beansprucht wurde; denn die unleugbar vorhandenen Südtiroler Deutschen seien nur zu Unrecht gleichsam über den trennenden Bergrücken in die südlichen Alpentäler hereingequollen und müssten entweder verschwinden oder sich verwelschen lassen! Weil die Ebene im Süden viel tiefer liegt als jene im Norden, ist das Gefälle der Flüsse dort bedeutender als hier, demzufolge die Wasserscheide näher dem Nordrand und das weitverästelte Etschgebiet bis ins Herz des Landes hinein ausgedehnt. Hier steht auch das namengebende Schloss Tirol.

Die Grenze verläuft vom Reschen-Scheideck bis zum Brenner (1,370 m) auf dem Kamm der Ötztaler- und Stubaier-, dann auf dem der Zillertaler Alpen entsprechend der Wasserscheide gegen den Inn, berührt an der Birnlücke auf 10 Kilometer das Land Salzburg und folgt dann der Wasserscheide gegen die Drau. Da jedoch der Ursprung der Drau auf dem bequem zu überschreitenden Toblacher Feld (1.200 m) liegt, wohin auch ihr erster Zufluss, der Sertenbach vom Kreuzberg (Übergang zur Piave) mündet, so wurde hier "ausnahmsweise" zugunsten Italiens die Wasserscheide verlassen und Drauquelle samt Sertental abgetrennt, Innichen zur italienischen Grenzstation gemacht.

Ähnliches geschah am Ostende der mauerartigen karnischen Alpen, einer unverrückbaren Natur- und Völkerschranke: hier erschien der Knotenpunkt Tarvis zwischen Fella-(Kanal)-Tal, Weißenfelser Sattel (zur Save) und Predilpass (zum Isonzo) so verlockend, dass, das obere Gailitzgebiet trotz seiner Zugehörigkeit zur Drau wieder "ausnahmsweise" der adriatischen Abdachung angegliedert und das rein deutsche Tarvis zum westlichen Tarvisio umgewandelt wurde.

Die Wahrheit:
Dr. Karl Renner selbst erklärte in St. Germain: "Es wird den Führern der Entente so rasch wie möglich klargemacht werden, dass sie, wenn sie Deutschösterreich zur Fertigung dieses Friedensvertrages zwingen, ihren Ruf gefährden, indem sie auf ihren Triumphwagen eine Leiche Laden!"

Hinter den Kulissen der Friedenskonferenz sind die Entscheidungen nicht so glatt gefallen, wie es den Österreichern auf Grund der Friedensbedingungen erschien. Die Vertreter der Ententemächte waren sich der Inkonsequenz und der Ungerechtigkeit ihrer Beschlüsse durchaus bewusst. Diese Beschlüsse wurden oft erst nach sehr harten Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen alliierten Mächten gefasst. Dabei kamen insbesondere die Amerikaner in Bedrängnis. Denn Wilson hatte sich ja für das Selbstbestimmungsrecht stark gemacht, und er hatte den Österreichern eine Grenzziehung nach klar erkennbaren nationalen Bestand zugesagt.

Doch für den Kriegsbeitritt an der Seite der Entente waren Italien von Frankreich, Großritannien und Russland große Gebietsgewinne auf Kosten Österreich-Ungarns zugesagt worden, das waren: das Trentino, Südtirol, das Kanaltal, Triest, Istrien, Dalmatien und die vorgelagerten adriatischen Inseln. Feste Zusagen, zu denen jedoch Frankreich und Großbritannien nicht mehr ganz standen - zumindest Dalmatien und nun auch der große Hafen Fiume (Rijeka) sollten an Jugoslawien fallen. Und da man die Italiener um einen wesentlichen Teil der versprochenen Kriegsbeute prellen wollte, konnte man den Italienern nicht auch noch Südtirol vorenthalten.

Für einen Moment hatte es den Anschein, als würde Wilson der Abtretung Südtirols nicht zustimmen wollen; Franzosen und Briten erinnerten den US-Präsidenten jedoch daran, dass ihm der sogenannte Londoner Vertrag, indem diese Zusagen an Italien enthalten waren, beim Kriegseintritt Amerikas vorgelegt worden sei. Wilson musste dies zugeben, und damit war das Schicksal Südtirols besiegelt.

Die schwankende Haltung Wilsons in der Südtirolfrage hing von zwei Überlegungen ab. Einerseits wollte Wilson die Zustimmung der Italiener für seine Völkerbundidee gewinnen, andererseits versuchte er, ihre Gebietsansprüche im Osten zu Gunsten Jugoslawiens einzudämmen. So vollzog er einen Kuhhandel, bei dem die österreichischen Interessen in Südtirol geopfert wurden, um Italien Jugoslawien gegenüber nachgiebiger zu stimmen.

 


Österreich-Ungarn vor dem 1. WK 1914



Der Rest von Österreich nach St. Germain 1919

 

 

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